DSL statt Laser: Online-Videotheken (VoD) boomen
23.11.09
Was ist gerade los im Web, wo entwickeln sich spannende Trends, welche Entwicklungen könnten unser Leben verändern? Jörg Schieb bloggt ab sofort bei uns in regelmäßigen Abständen über spannende Themen, die uns alle betreffen.
Was ist gerade los im Web, wo entwickeln sich spannende Trends, welche Entwicklungen könnten unser Leben verändern? Jörg Schieb bloggt ab sofort bei uns in regelmäßigen Abständen über spannende Themen, die uns alle betreffen – früher oder später. Schieb ist langjähriger IT-Journalist, arbeitet für Hörfunk und Fernsehen, Magazine und Zeitungen und hat seit Jahren eine eigene, erfolgreiche Webseite und einen Blog. Seine Leidenschaft gilt vor allem dem Internet (und den beeindruckenden Möglichkeiten, die es entfaltet). Besonders spannend aus seiner Sicht: Wie sich die Medienlandschaft durch das Internet verändert.
DSL statt Laser:
Online-Videotheken boomen
Von Jörg Schieb
Mein DVD-Player im Wohnzimmer ist schon ein paar Jahre alt. Eigentlich müsste ich dringend auf Blue-Ray aufrüsten, um unterhaltungstechnisch auf der Höhe der Zeit zu sein – aber ehrlich gesagt kann ich mich irgendwie nicht dazu durchringen.
Meine Zaghaftigkeit hat natürlich ganz konkrete Gründe. Denn aus technischer Sicht macht es keinen Sinn mehr, überhaupt noch DVDs oder Blue-Rays auszuleihen. Ist doch viel bequemer, eine Online-Videothek wie Maxdome, Videoload oder iTunes anzusteuern und dort den Film per Video-on-demand (VoD) abzurufen, den man sich anschauen möchte.
Die meisten Online-Videotheken bieten mittlerweile einige Filme sogar in HD-Qualität an (nicht viele, aber ein Anfang ist gemacht). Ein Knopfdruck – und der gewählte Film kommt über die DSL-Leitung. Dank der doch recht flotten Datenleitungen heutzutage dauert das auch nicht mal besonders lange.
Die DVD wäre damit schon mal definitiv überflüssig, in Blue-Ray-Qualität lassen sich Filme heute grundsätzlich auch schon übertragen, mit super Sound. Das einzige, was da oft noch fehlt, sind die Bonustracks oder die schicken Bedienmenüs – aber auch das Problem lässt sich wohl in den Griff bekommen.
Ich gebe zu: Ich bin ein fauler Zeitgenosse. Wenn ich es vermeiden kann, DVDs hin und her zu schicken, dann vermeide ich es. Garantiert. Online Filme abzurufen ist doch viel, viel praktischer. Viele denken immer noch, man könnte einen online bestellten (und natürlich bezahlten!) Film nur am PC anschauen. Weit gefehlt. Denn zum einen gibt es Media-PCs, zum anderen lassen sich PCs heute auch mit dem Fernseher verbinden. Das wäre also kein Problem.
Aber es geht auch ohne Computer. Denn für Maxdome, Videoload und iTunes gibt es Settop-Boxen, die funktionieren wie Satellitenreceiver und direkt mit dem Fernseher verbunden werden. Mit dem einzigen Unterschied, dass die bestellten Filme aus dem Internet kommen. Das ist komfortabel, das ist praktisch- und das ist die Zukunft, nur schon jetzt.
Auch Fernsehsendungen, vor allem Serien und von den Sendern selbst produzierte Shows (etwa Comedy) lassen sich über die Onlineplattformen abrufen. Sendung verpasst? Kein Problem: Kommt dann aus dem Netz. Zwar in der Regel gegen Bezahlung, dafür aber werbefrei. Und schon experimentieren die Sender und Anbieter mit Abomodellen: Da zahlt man einen festen Betrag im Monat und kann auf alle Sendungen und Shows eines Genres zugreifen. Das wird garantiert noch günstiger.
Klar, nicht jeder findet es akzeptabel, dass ein online "geliehener" Film nur 24 Stunden lang angeschaut werden kann. Der ein oder andere vermisst vielleicht auch die Verpackung und die bedruckten Inlays der DVD. Ich gehöre nicht dazu. Sollte ich einen Film in zwei Monaten oder zwei Jahren noch mal sehen wollen, kann ich ihn ja noch mal online ausleihen. Das finde ich praktischer, als im ganzen Haus nach der DVD zu suchen (die dann vielleicht sogar noch verkratzt ist).
Einziges Manko ist derzeit noch, dass die Auswahl an hochkarätigen Filmen online derzeit noch relativ klein ist. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Lange wird es nicht mehr dauern, bis Blockbuster und überhaupt alle Kinofilme gleichzeitig im Kino starten, auf DVD/Blue-Ray erscheinen und online angeschaut werden können. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Denn die bislang übliche Verwertungskette Kino-DVD-Online lässt sich nicht mehr halten. Der Kunde ist König und entscheidet selbst, wie und wo er einen Film schauen möchte.
Nein, ich glaube, ich brauche keinen Blue-Ray-Player mehr. :-)
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